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FAZ: Sekte oder Volkspartei

Die FAZ vom 21.11.2014 übertitelt einen Artikel auf Seite 1 mit “Sekte oder Volkspartei”. Es sind in Kürze Wahlen in Thüringen und es sieht so aus, als bekäme Thüringen den ersten linken Ministerpräsidenten. Und so denkt man zunächst bei der Überschrift: Die Linke, eine “Sekte”? Warum? “Oder Volkspartei”? Da ist die LInke doch auch weit entfernt?

Dann liest man den Artikel. Und es stellt sich heraus: Es geht um die SPD.

  • Unterstellung: Die “Sekte” als Begriff kommt ins Spiel, weil sich nun der linke Flügel der Partei “sektiererisch” neu formiert hat. Alles klar.
  • Einseitigkeit: Da versucht sich endlich wieder öffentlich in der SPD wieder ein Teil der Partei zu den ursprünglichen sozialdemokratischen Prinzipien zu bekennen. Und das gilt dann als “Sektieren”.
  • Stimmungsmache: Spannend ist auch, dass da kein Fragezeichen in der Überschrift steht. Die Logik heißt: Sucht es euch aus, entweder die SPD ist eine Volkspartei – oder eben eine Sekte.
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FAZ-Merkel-Interview-Gas-Ab

FAZ: Interview mit Angela Merkel

Die FAZ vom 16. Mai 2014 veröffentlicht ein Interview mit Kanzlerin Angela Merkel. Dass dieses Interview, geführt von Günter Bannas und Berthold Kohler, nicht sehr konfrontativ ausfällt, verwundert nicht. Bei einigen Passagen des Gesprächs hängt einem dann aber doch die Kinnlade runter.

  • Beschönigung: Die FAZ fragt im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine: “Muss nicht wieder mehr über die Einhegung russischer Macht nachgedacht werden …?” “Einhegen” ist ja ein netter Ausdruck – wer will schon von “Angreifen” sprechen?
  • Stimmungsmache: Es gibt aber auch Fragen, die einen kriegerischen Einsatz direkter nahelegen. So wird formuliert, ob der Nicht-Einsatz militärischer Mittel nicht ein “schwerwiegender Nachteil” des Westens wäre (anstatt einfach Krieg zu führen, will man hinzufügen). Auch stellt sich die FAZ die Frage, wie auf die Nato reagiert werden soll, die “stärkere Verteidigungsstrategien” fordert – schon wieder so ein Euphemismus für “Angriff”.
  • Verstecken: Es ist eine Kunst, Fragen so zu formulieren, dass sie nicht wie ein Vorwurf klingen. Zum Thema Sanktionen gegen Russland fragt die FAZ: “Hat das Ausmaß unserer Abhängigkeit Einfluss auf die deutsche Außenpolitik?” Frei übersetzt: “Sind Sanktionen nicht leere Drohungen, solange wir von Russlands Gasimporten abhängig sind?”
  • Relativierung: So indirekt die Frage nach dem Sinn der Sanktionen formuliert ist, so direkt unüberzeugend ist die Antwort der Kanzlerin: “Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas ist weit geringer als die manch anderer EU-Länder, sie liegt bei unter 40%.” Das stimmt, 40% sind definitiv eine vernachlässigbare Größe.
  • Überschattung: Die FAZ fragt, ob nun, da die NSA-Problematik dank der Ukraine-Krise in den HIntergrund gedrängt wurde, die Beziehungen zu den USA wieder in Ordnung seien. Frau Merkels Antwort überrascht durch bedingungslose Kritiklosigkeit: “MIt den Vereinigten Staaten verbindet uns eine über viele Jahrzehnte gewachsene Freundschaft und Partnerschaft. Deutschland kann sich keinen besseren Partner als die Vereinigten Staaten wünschen.” Alles in Butter, wer will schon Streit mit seinem Traumpartner, nur weil dieser mehrfach systematisch untreu war?
  • Polemisierung: Und nun noch der Knaller. Die FAZ fragt doch tatsächlich im Kontext der Ausländerpolitik der Bundesrepublik folgendes: “Wird Deutschland immer mehr zum Sozialamt Europas?” Hoppla, liebes Leitmedium, welch Gesinnung schimmert denn hier durch?
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SZ-Nie-wieder-Goettingen-über-Kipping-und-die-Linke

SZ: „Nie wieder Göttingen“ und weitere Artikel zu “die Linke” in ZEIT, SPIEGEL und FAZ

In der Süddeutschen Zeitung vom 14. Februar 2014 schreibt Constanze von Bullion zum Anlass des anstehenden Parteitages der Linken über deren Parteichefin Katja Kipping. Obwohl der Beitrag nicht auf der Meinungsseite, sondern im Politikbereich erscheint, erinnert er eher an eine tendenziöse Polemik im Stile des vielfach kritisierten Interviews von Markus Lanz mit Sahra Wagenknecht vom 16. Januar 2014.

Erst einen Tag zuvor (13. Februar 2014) veröffentlichte die Wochenzeitung “ZEIT Online” ein sehr einseitiges Interview mit Sahra Wagenknecht, das dann von “Spiegel Online” aufgegriffen und nochmals verschärft wurde. Einen Tag danach, am 15.2.2014, ist dann FAZ mit dran mit einer Polemik gegen Sahra Wagenknecht, die von den dortigen Lesern in den Kommentaren mehrheitlich kritisiert wird. Am 16. Februar 2014 greift sogar der ansonsten für Objektivität stehende Deutschlandfunk die populistischen Argumente auf. Die durch solche Beiträge wahrlich konzertiert anmutende “Medienbarriere” gegen die Linke stimmt bedenklich. Continue reading

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SZ: „Mali macht Mut“

Stefan Ulrich führt auf Seite 4 der Süddeutschen Zeitung vom 7. Februar 2014 den Militäreinsatz in Mali als „Beispiel für eine gelungene Militärmission” auf. Damit verstärkt der Autor die jüngsten offenen Vorstöße der Politker Gauck, von der Leyen und Steinmeier in Richtung einer stärkeren Beteiligung Deutschlands an militärischen Einsätzen.

Kritik

  • Einseitigkeit: Der Artikel nimmt nur in einem einzigen Absatz Bezug auf die mehrheitliche Ablehnung der Deutschen gegen eine militärische Beteiligung Deutschlands in Mali (Quelle: Die Welt). Der restliche Artikel ist eine einseitige Sammlung von Argumenten für mehr Kriegseinsätze Deutschlands. Kritikern wird unterstellt, es sei „falsch“, sich ganz grundsätzlich gegen ein militärisches Eingreifen auszusprechen.
  • Beschönigung: Bereits der Titel „Mali macht Mut“ verzerrt die Realität. Continue reading
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SZ_Hollande-Kurswechsel

SZ: Hollande kündigt Kurswechsel an

Die SZ vom 15. Januar 2014 titelt mit dem Kurswechsel des französischen Staatspräsidenten Francois Hollande. Stefan Ulrich und Christian Wernicke beschreiben das geplante Vorgehen und bewerten es sehr positiv. Am 16. Januar wiederholen sie ihre Lobeshymnen abermals auf den Seiten 4 und 6. Das Vorgehen Hollandes ist jedoch nicht unumstritten – erinnert es doch stark an das Umschwenken “linker” Regierungen unter Tony Blair in Großbritannien oder unter Gerhard Schröder in Deutschland. Dort wurden die radikalsten Kürzungen des Sozialsystems unter sozialdemokratischer Flagge und im Namen “notwendiger Reformen” durchgedrückt.

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fitschen-jain

SZ: “Deutsche Bank lädt Kritiker ein”

Die SZ interviewt die Deutsche-Bank-Chefs Fitschen und Jain in der physischen Ausgabe der Zeitung und fasst das Interview dann sehr wohlmeinend online zusammen. Ein über weite Strecken inhaltsgleicher Artikel erscheint auf Spiegel.de.

Die Kritik an den Managern des in den letzten Jahren besonders skandalumwitterten Unternehmens wird zwar geäußert, aber insgesamt auf relativ zahme Art und Weise.

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SZ_Merkel-und-ihre-Genossen

SZ: „Merkel und ihre Genossen“ sowie „Die Neuen Minister – Verstand und Unverstand“

In der SZ vom 17. Dezember 2013 berichtet die SZ über die Besetzung der Ministerposten. Auf Seite 2 wird jedem Minister ein kleiner Artikel gewidmet. Das Problem: Es geht in den meisten Fällen nicht um die Diskussion der fachlichen Kompetenz. Auf Seite 4 greift Claus Bohsem diese Problematik lobenswerterweise in seinem Kommentar auf. Dies geschieht aber leider nicht ohne starke Relativierung („Drei Dinge baucht der Minister, Fachwissen nicht unbedingt“).

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FAZ_Ukraine_Keine_Kompromis

FAZ und SZ zu Protesten in Ukraine: keine Kompromisse mehr möglich

In den Ausgaben vom 12. Dezember 2013 berichten die DIE ZEIT und die Süddeutsche Zeitung auf den Titelseiten wieder von den oppositionellen Bewegungen in der Ukraine. DIe Überschriften greifen ein Zitat von Vitali Klischko auf: “Ukrainische Opposition sieht keine Kompromissmöglchkeiten mehr” (FAZ) sowie “Kein Platz für Kompromisse” (SZ).

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