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FAZ: „Klitschko ruft zu Machtwechsel in der Ukraine auf“

Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung titelt am 3. Dezember 2013:  „Klitschko ruft zu Machtwechsel in der Ukraine auf“. Der bekannte Name Klitschkos wird eingesetzt, um den EU-freundlich gesinnten Ukrainern ein Gesicht zu verleihen. Dass sich die Ukrainer für eine andere Regierung einsetzen, ist eindrucksvoll. Aber …

Kritik

  • Stimmungsmache: Die Agenda hinter der ausführlichen Berichterstattung mit der Hauptfigur Vitali Klitschkos scheint mir die EU-Lobby zu sein. Selten sonst sieht man so prominente Berichterstattung über Demonstrationen in der FAZ wie hier.
  • Zweifelhafte Eignung Klitschkos: Die Frage, die sich aufdrängt, ob nämlich Klitschko wirklich dazu taugt, als Personifizierung für den Wandel in der Ukraine zu stehen, wird auf Seite 10 beantwortet. Dort wird Klitschkos Aufstieg zum Politiker skizziert. Als Mitarbeiter des Stadtparlaments hat er inzwischen „die damals noch großen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner politischen Ambitionen […] beseitigt. Auch weil er wider alle Erwartung im Stadtparlament von Kiew ernsthaft mitarbeitete und sich mit Fragen wie der nach der Zukunft der städitischen Kindergärten befasste.“ Ob das schon für die Rolle des zentralen Oppositionsführers ausreicht? Diese Einschätzung könnte beispielsweise im Falle eines Hamburger Stadtrats der Piraten mit Schwerpunkt „Kindergarten“ in der selben Zeitung eher kritisch betrachtet werden.Ein Interview der FAZ mit Klitschko spricht jedenfalls nicht unbedingt für die Tiefgründigkeit seiner politischen Argumentation.
  • Gezielter Heldenkult: Zweifelt man die formale Eignung Klitschkos an, so könnte vermutet werden, dass hier ein Held gezielt aufgebaut wird, um EU-Wirtschafts-Interessen „durchzuboxen“.
  • EU-Lastigkeit: Für den Verdacht einer EU-Propaganda spricht der Umgang mit den unterschiedlichen Ansichten. Die Option, gegen die EU-Assoziation zu sein, wird gar nicht erwogen. Vielmehr wird suggeriert, es gäbe nur das „Recht“ auf EU-Assoziation und das „Unrecht“, dagegen zu sein. Die Argumente, die die ukrainische Staatsregierung vom Unterzeichnen des Assoziations-Vertrages abgehalten haben, werden nicht zental behandelt.
  • Verdacht der Instrumentalisierung: Ist es nachgewiesen, das die Demonstranten in Kiew in der Mehrzahl für die EU sind? Es kann vermutet werden, dass die Proteste sich primär einfach gegen die aktuelle Regierung der Ukraine richten.
  • Ignoranz: Überhaupt nicht im Fokus der Berichterstattung liegt die bedenkliche Tatsache, dass Klitschkos Partei Seite an Seite mit der rechtspopulistischen Partei um Oleh Tjahnybok gegen das aktuelle Regierung kämpft. Deren Parteiprogramm ist stark nationalistisch – und damit nicht EU-freundlich.

Weitere Informationen

  • Neun Tage später titeln SZ und FAZ mit einem Zitat Klitschkos, dass es jetzt “keinen Platz für Kompromisse” mehr gebe. Das stimmt bedenklich
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