SZ: “Beförderung nach Art des Hauses”

in der Süddeutschen Zeitung vom 26. November schreibt Detlef Esslinger auf Seite 6 über die Wahl von Detlef Wetzel zum neuen Vorsitzenden der IG-Metall. Es kann eine Schieflage der Argumentation zum Nachteil des neuen Mannes an der Spitze “der größten freien Gewerkschaft der Welt” beobachtet werden.

Kritik

  • Übergewichtung: Das nicht sehr überzeugende Ergebnis von 75,5% wird zurecht bemerkt, jedoch wird es überbetont. Bereits im Titel “Beförderung nach Art des Hauses”, ist Kritik zu hören. Und auch im Untertitel ist zu lesen: “Viele Delegierte zeigen, dass sie ihn nicht leiden möchten”. Ein Ergebnis, das nicht im Bereich von 90% liegt, kann, aber muss nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein. Es kann sich auch um einen Umschwung handeln. Und das kann an der erwähnten neuen Politik des neuen Mannes liegen. Das kaum bessere Ergebnis des neuen FDP-Vorsitzenden LIndner wird ein paar Tage später deutlich weniger kritisch unter die Lupe genommen.
  • Ridikülisierung – der Tonfall ist salopp: “aus den Lautsprechern erklang der passende Song, von The Clash:´Should I stay or should I go`”. Und es werden Teilnehmer mit Umgangssprache zitiert: “Och, 75% seien doch gar nicht sooo schlecht”.
  • Einseitigkeit: Detlef Wetzel wird zwar zitiert, jedoch nur in hämischem Kontext. Kritiker werden mehrfach zitiert, Befürworter von Wetzel hingegen gar nicht.
  • Stimmungsmache

    • Generalkritik an Gewerkschaften: “Manchmal sind Großorganisationen im Allgemeinen und Gewerkschaften im Besonderen seltsame Organisationen.”
    • Kommentarstil im Nachrichtenteil: All die oben genannten Punkte werden im Politik-Teil geäußert, der Artikel klingt jedoch durchweg nach der Meinung des Autors.

Anregung

  • Bemühen um Ausgewogenheit: Ich finde es gut, dass die SZ nicht nur Positives über Gewerkschaften schreibt.
  • Anerkennung von Erfolgen: Wenn der Artikel schon Meinung wiedergibt, so kann auch das erfolgreiche Bemühen Wetzels, wieder mehr Mitglieder zu akquirieren, gewürdigt werden.
  • Arbeitnehmer nicht vergessen: Dass man der Wahl Wetzels durchaus auch Positives abgewinnen kann, ist in einem Artikel in der Wochenzeitung “Der Freitag” zu lesen. Durch eine Ergänzung der positiven Seiten würde die SZ stärker die Arbeitnehmer unterstützen – das erwarte ich von einer links-liberalen Zeitung.
  • Unternehmen ähnlich kritisch betrachten: Aber ich würde mir sehr wünschen, dass dann in der SZ auch andere “Großorganisationen” wie die Deutsche Bank einmal ähnlich kritisch unter die Lupe genommen würden – anstatt deren Chef einfach nur freundlich zum SZ-Führungstreffen einzuladen. Ob das die fast durchgängig geschalteten Anzeigen der Deutsche-Bank-Tochter “DWS Investment” gefährden würde?
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