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SZ: Berichterstattung über FDP-Parteitag

Die 2013 erstmals bei einer Bundestagswahl gescheiterte FDP richtet einen Parteitag aus – die SZ berichtet. Die Ausführlichkeit der Berichterstattung verwundert. Neben der Erwähnung des Parteitags in der oberen Hälfte der Seite 1 darf Stefan Braun gleich zweifach auf den Seiten 2 und 4 über dieses Ereignis berichten.

Kritik

  • Meinungsmache: Trotz geäußerter Kritik fällt die Einschätzung der FDP insgesamt sehr positiv aus, Christian Lindner kann sich mit großem Siegerfoto und seinem „Credo“ sehr gut präsentieren.
  • Übergewichtung: Die FDP scheiterte bei den Wahlen an der 5%-Hürde. Das ist neu. Muss man aber Artikel über die Partei auf drei der wichtigsten Seiten der SZ bringen?
  • Überschattung: Statt an drei zentralen Stellen der SZ über die FDP zu berichten, hätten die weniger zentral positionierten Enthüllungen zur Zusammenarbeit deutscher Behörden mit Booz Allen Hamilton es deutlich eher verdient, einen solchen Stellenwert einzunehmen.
  • Einseitigkeit:
    • „Noch nicht ganz am Ende“ titelt Stefan Braun auf Seite 4 – ein Hoffnungsschimmer soll suggeriert werden. Das liest sich wie „Totgesagte leben länger“
    • Im Artikel auf Seite 2 wird unkommentiert erzählt, „die Partei kämpfe nicht für Banken, Wirtschaftsverbände und Interessensgruppen“, der einzelne Mensch stände im Mittelpunkt. Warum zweifelt die SZ diesen nicht gerade glaubhaften Gesinnungswandel überhaupt nicht an?
  • Heldenaufbau: Stefan Brauns Artikel gleicht einem Lobgesang auf den neuen Mann Lindner. Nach einem durchaus kritischen Entrée schmücken vielfache Zitate den Artikel, garniert mit den begeisterten Reaktionen der Teilnehmer. Die Teilnehmer „lachen und klatschen“, der „stürmische Beifall“ wird erwähnt, „unter Beifall“ spricht er sich gegen Banken aus und die Forderung nach „Überzeugungstätern“ ist „der Moment mit dem stürmischsten Applaus“.
  • Beschönigung: Die für die Wahl eines Vorsitzenden nicht sehr überzeugenden 79% werden zwar erwähnt, aber sogleich kontrastiert mit seiner „kämpferischen Antrittsrede“. Im Vergleich zur sehr kritischen Berichterstattung zum Wahlergebnis des neuen IG-Metall-Vorsitzenden wundert man sich, warum das Ergebnis hier nun nicht ähnlich kritisch betrachtet wird.
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