SZ: „Mali macht Mut“

Stefan Ulrich führt auf Seite 4 der Süddeutschen Zeitung vom 7. Februar 2014 den Militäreinsatz in Mali als „Beispiel für eine gelungene Militärmission” auf. Damit verstärkt der Autor die jüngsten offenen Vorstöße der Politker Gauck, von der Leyen und Steinmeier in Richtung einer stärkeren Beteiligung Deutschlands an militärischen Einsätzen.

Kritik

  • Einseitigkeit: Der Artikel nimmt nur in einem einzigen Absatz Bezug auf die mehrheitliche Ablehnung der Deutschen gegen eine militärische Beteiligung Deutschlands in Mali (Quelle: Die Welt). Der restliche Artikel ist eine einseitige Sammlung von Argumenten für mehr Kriegseinsätze Deutschlands. Kritikern wird unterstellt, es sei „falsch“, sich ganz grundsätzlich gegen ein militärisches Eingreifen auszusprechen.
  • Beschönigung: Bereits der Titel „Mali macht Mut“ verzerrt die Realität. Denn anders als in Mali gab es während und nach den meisten Militäreinsätzen – egal ob mit oder ohne deutsche Beteiligung – in den letzten Jahren kaum Positives zu berichten. Nicht „Irak und Afghanistan brachten Militäreinsätze in Verruf“, wie eine Unterüberschrift des Artikels lautet. Vielmehr waren die Einsätze prominente und eindeutige Beispiele für die zweifelhafte Sinnhaftigkeit von militärischen Eingriffen. Jetzt, wo sich die Lage in Mali laut Medienberichten verbessert hat, wird dieses Beispiel ausgeschlachtet.
  • Meinungsmache: Der Artikel ist Teil einer breit angelegten Meinungsmache, deren Ziel es zu sein scheint, die Deutschen auf die Unabwendbarkeit der Beteiligung der deutschen Truppen in Kriegsgebieten einzustimmen.
  • Verschleierung: Die Politiker umschreiben die verstärkte Teilnahme an Kriegen blumig (Steinmeier spricht von “tätiger Außenpolitik” und Gauck fordert die Deutschen auf, “sich der Welt zuzuwenden“. Die Medien zitieren diese Formulierungen sehr häufig unhinterfragt und setzen zudem auf das schlechte Gewissen: So verwenden auch Leitmedien wiederholt Begriffe wie „sich wegducken“, wenn es um die Zurückhaltung Deutschlands bei Kriegseinsätzen geht.
  • Verstecken: Eine solche Meinungsmache und Verschleierung wird indirekt unterstützt, indem die in Deutschland historisch wohlbegründete und daher in der Verfassung verankerte passive Rolle Deutschlands in Kriegseinsätzen kaum mehr erwähnt wird.
  • Instrumentalisierung: Wie auch von Seite der Politik werden auch in dem Artikel zu Beginn die Akte des Unrechts in Mali als Legitimierungsgrund für Militäreinsätze angeführt. Dass es jedoch zwischen „sich wegducken“ und „militärisch mitmischen“ ein breites Spektrum an Möglichkeiten gibt wie etwa diplomatische Bemühungen, wird nicht erwähnt.

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